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Prof. Dr.-Ing. Hubert Becker

Hubert Becker

25.06.1903 - 18.11.1975

Direktor des Institutes für Tiefbohrkunde und Erdölgewinnung

1946 - 1975

Prof. Dr.-Ing. Hubert Becker

Hubert Becker wurde 1903 in Thale am Nordostrand des Harzes geboren, wo er auch seine Jugend verbrachte. Nach dem Abitur am Gymnasium in Quedlinburg ging er zum Bergbaustudium an die Bergakademie Clausthal, so, wie es jeder tat, der den Bergbau in seiner ganzen Breite und an einer seiner Geburtsstätten kennenlernen wollte. 1927 machte er sein Diplom-Examen in der Fachrichtung Bergbau. Danach verließ er die Hochschule, um zunächst einmal die industrielle Praxis kennenzulernen. Er wurde Assistent des legendären Bohrpioniers Anton Raky in dessen Tiefbohr AG und sammelte erste Erfahrungen in der Bohrtechnik in Salzgitter und in der Rheinischen Braunkohle. Anton Raky war sicherlich eine sehr starke Persönlichkeit, die auch Hubert Becker sehr beeindruckte, denn die Geschichten von und um Anton Raky, die viele seiner späteren Vorlesungen zierten, kennt wohl jeder, der Hubert Becker entweder in Clausthal oder in Celle als Dozent und Lehrer erlebt hat.

1933 promovierte Hubert Becker in Aachen bei Prof. Fritzsche zum Dr.-Ing. mit einem Thema über den deutschen Erdölbergbau. 1934 ging er schließlich zur Wintershall nach Nienhagen, wo er die Aufsicht über zahlreiche Unternehmerbohrgeräte hatte. Reiche Erdölfunde hatten, insbesondere in der Wintershall-Konzession Nienhagen, zu einem Bohrboom geführt, so daß alle damals im Bohrgeschäft aktiven Gesellschaften Bohranlagen zum Einsatz brachten. Hubert Becker hatte somit die Möglichkeit, viele Bohrfirmen, viele Meinungen und Ansichten und viele Kollegen kennenzulernen, mußte sich mit vielen bohrtechnischen Problemen herumschlagen und konnte so ein fundiertes praktisches Wissen über die Tiefbohrtechnik ansammeln.

Als die "Fachgruppe Erdölgewinnung" der Wirtschaftsgruppe Kraftstoffindustrie unter ihrem Leiter Karl Große 1937 beschloß, die Ausbildung von Aufsichtspersonen der mittleren Führungsebene an einer besonderen Schule planmäßig durchzuführen, stand für die Mitglieder der Fachgruppe sehr bald eindeutig fest, daß Hubert Becker der richtige Mann wäre, um die hauptamtliche Lehrstelle an dieser Schule zu übernehmen, "da Herr Becker nach einmütiger Auffassung als sehr geeignet für diese Stelle angesehen wird, obgleich er Bergingenieur und nicht Maschineningenieur ist", wie dem Protokoll einer Sitzung der für die Einrichtung dieser Schule verantwortlichen Personen vom 5. Mai 1937 zu entnehmen ist. Somit übernahm Hubert Becker zunächst die Aufgabe eines Dozenten und die Leitung der Außenstelle Celle der Berg und Hüttenschule Clausthal, der diese Bohrmeisterklasse seinerzeit noch angegliedert war, nachdem die Gründung am 17. August 1937 feierlich besiegelt worden war. Es spricht für die Tatkraft von Hubert Becker, daß er bereits einen Tag später, am 18. August 1937, mit dem Unterricht im ersten Bohrmeisterlehrgang in Celle begann. Als nach der Gründung des Bergschulvereins "Deutsche Bohrmeisterschule in Celle" e.V. im Jahr 1942 die Verselbstständigung der Bohrmeisterschule in Celle beschlossen worden war, wurde Hubert Becker zum Bergschuldirektor und damit zum Leiter dieser Schule ernannt.

1940 wurde Hubert Becker Lehrbeauftragter für Tiefbohrkunde an der Bergakademie Clausthal und gleichzeitig an der Technischen Hochschule Hannover. 1943 wurde er zum Honorarprofessor ernannt.

Von nun an war Hubert Becker ständiger Reisender zwischen Celle, Hannover und Clausthal, eine Aufgabe, die er bis zu seiner Pensionierung wahrgenommen hat, selbst in den 50er Jahren, als die deutsche Erdölindustrie einen beträchtlichen Aufschwung nahm und der Bedarf an ausgebildeten Bohr- und Fördermeistern sehr groß war, so daß Lehr- und Verwaltungstätigkeit an der Deutschen Bohrmeisterschule vollen Einsatz von Hubert Becker erforderten.

1950 betraute man Hubert Becker mit der Leitung des Instituts für Tiefbohrkunde, Erdöl- und Erdgasgewinnung der Bergakademie Clausthal, eine Aufgabe, die er neben seiner Tätigkeit als Leiter der Deutschen Bohrmeisterschule teils von Celle, teils vor Ort in Clausthal wahrnahm. Als er zum 1. Oktober 1963 zum Ordinarius des Clausthaler Instituts ernannt wurde, gingen viele davon aus, daß Hubert Becker nunmehr die Leitung der Bohrmeisterschule aufgeben und sich ganz der Leitung des Instituts für Tiefbohrkunde widmen würde. Das geschah allerdings nicht. Hubert Beckers Herz hing trotz seines Engagements für den akademischen Nachwuchs nach wie vor an "seinen" Bohrmeistern, von denen er Generationen in Celle ausgebildet hatte. Er hatte die Berufung nach Clausthal nur unter der Bedingung angenommen, auch weiterhin an "seiner" Bohrmeisterschule in Celle tätig sein zu können. Und so bedurfte es schon eines guten Timings, um alle Aufgaben unter einen Hut zu bringen und immer gerade dort präsent zu sein, wo man benötigt wurde. Sicherlich war es aber auch wichtig, an beiden Stellen gute und zuverlässige Mitarbeiter zu haben, auf die man sich verlassen konnte. Das war insbesondere in der zweiten Hälfte der 60er Jahren erforderlich, als der Instituts-Neubau geplant und schließlich die Bauarbeiten überwacht werden mußten.

Da diese vielseitigen Aufgaben Hubert Becker jedoch offensichtlich immer noch nicht ganz auszufüllen schienen, vielleicht aber auch, weil man auf eine Persönlichkeit wie Hubert Becker in der deutschen Erdölindustrie nicht verzichten konnte und wollte, engagierte er sich noch sehr stark im damaligen Verein für Tiefbohrtechnik, dessen Gründungsmitglied er war, und in dessen Vorstand er lange Zeit tätig war sowie als Mit-Herausgeber der Erdöl-Zeitschrift.

Zum 31. Dezember 1972 schied er als Leiter der Deutschen Bohrmeisterschule aus. Die Aufgabe des Leiters des Instituts für Tiefbohrkunde mußte er noch bis zum 31. März 1975 wahrnehmen, ehe für ihn ein geeigneter Nachfolger gefunden worden war.

Leider war es ihm nicht vergönnt, nach einem arbeitsreichen Leben bis weit über die Pensionierungsgrenze hinaus sein Pensionärsdasein für längere Zeit zu genießen und der deutschen Erdölindustrie und ihren Ausbildungsinstitutionen ohne beruflichen Zwang mit seinem großen Erfahrungsschatz beratend zur Seite zu stehen, denn bereits am 18. November 1975 wurde Hubert Becker nach kurzer Krankheit aus diesem Leben abberufen, was damals für alle, die ihn kannten und schätzten, völlig unerwartet kam. Hubert Becker war eine Institution, die Generationen von Bohr- und Fördertechnikern in die Geheimnisse der Bohr- und Fördertechnik eingeweiht hat. Für fast alle Bohr- oder Fördermeister bis hin zu manchem Direktor oder Vorstandsmitglied internationaler Erdölgesellschaften war Hubert Becker Lehrer oder Doktorvater. Alle kannten ihn, und alle schätzten seine gerade und aufrechte Art. Mit ihm bleibt ein Stück deutscher Bohr- und Erdölgeschichte verbunden.

 

Gerd Schaumberg


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